Extraversion ist eine von fünf Dimensionen der Persönlichkeit nach dem Modell der Big Five (McCrae & Costa, 1987). Sie beschreibt die Tendenz einer Person, eher ein vielfältiges soziales Umfeld vorzuziehen anstatt sich in einem ruhigen Umfeld und mit dem Alleinsein wohlzufühlen. Dabei setzt sich Extraversion aus Eigenschaften wie Geselligkeit, Aktivität oder Ungehemmtheit zusammen (Costa & McCrae, 1985).

Während man früher davon ausging, dass die zurückhaltende versus energiegeladene Ausprägung von Extraversion ein Gegensatzpaar bilden und sich Person eindeutig einer der beiden Kategorien zuordnen lässt, sieht man heute zurückhaltend und energiegeladen als zwei Pole eines Kontinuums der Dimension Extraversion. Somit lässt sich der Wert jeder Person in einem Punkt auf folgender Skala verorten:
zurückhaltend
Für Personen, die sicher eher zurückhaltend verhalten und nicht ständig die Gesellschaft anderer suchen, sind beispielsweise folgende Eigenschaften charakteristisch:
- zurückhaltend
- passiv
- reserviert
Dies ist jedoch in keinem Fall als Nachteil zu sehen. Zurückhaltende Personen ziehen oft die Arbeit allein im Stillen vor und fühlen sich in solchen Situationen meist wohler als ihr energiegeladener Gegenpart. Somit sind sie besonders leistungsstark in Berufen, die weniger soziale Interaktionen erfordern, wie als Ingenieur:in oder Wissenschaftler:in (Denissen et al., 2017).
energiegeladen
Personen, die eher energiegeladen sind und meistens Austausch und Gesellschaft mit Anderen suchen, lassen sich mit folgenden Eigenschaften beschreiben:
- aktiv
- lebhaft
- durchsetzungsfähig
Sie blühen in sozialen Situation auf und suchen aktiv Kontakt zu anderen Personen. Dies macht sich auch im beruflichen Kontext bemerkbar, wo energiegeladene Personen beispielsweise im Marketing, Management oder Verkauf besonders erfolgreich sind (Barrick & Mount, 1991), weil sie in solchen Situationen oft aktiv und durchsetzungsfähig auftreten.
Nutzen im beruflichen Kontext
Wie man merkt, hängt die beste Besetzung für eine freie Stelle nicht nur von der Extraversion der Person ab, sondern auch von den Charakteristika der freien Stelle. Bei klassischen Testverfahren haben Bewerbende, die eher energiegeladen sind jedoch oft einen Vorteil. Durch ihre aufgeschlossene, gesellige Art punkten sie in Bewerbungsverfahren (z.B. Spector et al., 2000). Dies führt oft zu Fehleinstellungen bei Stellen, für die eine eher zurückhaltende Person weitaus besser geeignet wäre. Somit kann man mit einer Persönlichkeitsdiagnostik das Risiko einer Fehlbesetzung verringern und gleichzeitig für eine höhere Diversität am Arbeitsplatz sorgen!
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Quellen
- Barrick, M. R., & Mount, M. K. (1991). The big five personality dimensions and job performance: a meta‐analysis. Personnel psychology, 44(1), 1-26.
- Costa, P. T., & McCrae, R. R. (1985). The NEO personality inventory. Odessa, FL: Psychological Assessment Resources.
- Denissen, J. J., Bleidorn, W., Hennecke, M., Luhmann, M., Orth, U., Specht, J., & Zimmermann, J. (2018). Uncovering the power of personality to shape income. Psychological science, 29(1), 3-13.
- McCrae, R. R., & Costa, P. T. (1987). Validation of the five-factor model of personality across instruments and observers. Journal of personality and social psychology, 52(1), 81.
- Spector, P. E., Schneider, J. R., Vance, C. A., & Hezlett, S. A. (2000). The relation of cognitive ability and personality traits to assessment center performance. Journal of Applied Social Psychology, 30(7), 1474-1491.
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