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Assessment Center: Übungen, Validität & Grenzen

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Assessment Center: Übungen, Validität & Grenzen
Assessment Center: Übungen, Validität & Grenzen

Assessment Center: Definition

Ein Assessment Center (AC) ist ein Auswahlverfahren, bei dem Kandidat:innen mehrere Übungen und Arbeitssimulationen durchlaufen und dabei von mehreren geschulten Beobachtenden anhand vorab definierter Kriterien bewertet werden. Je nach Gestaltung dauert es einen halben bis drei Tage und ist in der Personalauswahl vieler kleiner und großer Unternehmen fest verankert. Das Ziel: eine Vielzahl von Fach- und Sozialkompetenzen sichtbar machen und so das Risiko einer Fehleinschätzung minimieren.

Der häufigste Denkfehler beginnt allerdings schon beim Begriff. Das Assessment Center ist kein Verfahren, sondern ein Verfahrensrahmen – ein Bauplan, der vorgibt, dass mehrere Merkmale mit mehreren Methoden von mehreren Beobachtenden erfasst werden. Was in diesen Rahmen hineinkommt, entscheidet jedes Unternehmen selbst: welche Übungen, welche Kriterien, welche Beobachtenden, welche Auswertung. Die Frage „Wie gut ist das Assessment Center?“ lässt sich deshalb genauso wenig pauschal beantworten wie die Frage „Wie gut ist das Menü?“, solange niemand weiß, was gekocht wird.

Genau daraus erklärt sich die widersprüchliche Reputation des Verfahrens. Ein sorgfältig konstruiertes AC gehört zu den stärksten Instrumenten der Eignungsdiagnostik. Ein schlecht gemachtes ist eine teure Bühne für Bauchgefühl. Beides läuft unter demselben Namen – und das erklärt viele der Enttäuschungen, die Unternehmen mit dem Format erleben.

Woher das Assessment Center kommt

Die Wurzeln des Assessment Centers liegen in der Offiziersauswahl. In den 1920er-Jahren entwickelte die deutsche Militärpsychologie mehrtägige Auswahlverfahren, in denen Offiziersanwärter in praktischen Situationen beobachtet wurden. Der Grundgedanke stammt von dort: Verhalten in realitätsnahen Aufgaben beurteilen, statt nur Zeugnisse und Lebensläufe zu lesen. Im Zweiten Weltkrieg griffen die britischen War Office Selection Boards und der US-Nachrichtendienst OSS die Idee auf, um Führungspersonal und Agent:innen auszuwählen.

Den Sprung in die Wirtschaft schaffte die Methode Mitte der 1950er-Jahre beim US-Konzern AT&T. In der „Management Progress Study“ beobachtete der Psychologe Douglas Bray Nachwuchskräfte in simulierten Führungssituationen und verfolgte über Jahre, wie sich ihre Karrieren tatsächlich entwickelten (Bray & Grant 1966). Aus dieser Studie stammt auch der Name des Verfahrens. Ab den 1970er-Jahren verbreitete sich das AC im deutschsprachigen Raum; der Arbeitskreis Assessment Center formulierte später Qualitätsstandards für Konstruktion und Durchführung.

Heute gehört das AC vor allem in größeren Unternehmen zum Standardrepertoire, meist für Führungspositionen und Traineeprogramme, fast immer mit Gruppenübungen. Gleichzeitig ist die anfängliche Begeisterung vielerorts abgeebbt: Immer wieder streichen Unternehmen das AC aus ihrem Auswahlprozess, weil es hinter den Erwartungen zurückblieb, viel Zeit bindet und hohe Kosten verursacht. Warum das so ist, zeigt der Blick auf Aufbau und Messqualität.

Die typischen Übungen im Überblick

Ein AC kombiniert in der Regel mehrere Übungen, die erfolgskritische Arbeitssituationen der Zielposition simulieren sollen. Sechs Formate tauchen besonders häufig auf.

Postkorbübung

Der Klassiker unter den AC-Übungen: Bewerbende erhalten einen fiktiven Posteingang aus E-Mails, Schreiben und Terminanfragen und müssen unter Zeitdruck priorisieren, delegieren und entscheiden. Beobachtet werden Arbeitsorganisation, Prioritätensetzung und Entscheidungsverhalten unter Belastung. Heute läuft die Übung meist digital als E-Mail-Simulation, das Prinzip ist unverändert.

Gruppendiskussion

Mehrere Kandidat:innen diskutieren ein vorgegebenes Thema, mit oder ohne zugewiesene Rollen. Die Übung soll rhetorische, soziale und führungsbezogene Kompetenzen sichtbar machen: Wer strukturiert, wer integriert, wer setzt sich durch? Sie ist eng verwandt mit dem Gruppeninterview und teilt dessen Tücken – dominantes Auftreten prägt den Eindruck oft stärker als die Qualität der Beiträge.

Rollenspiel

Ein simuliertes Mitarbeiter-, Kunden- oder Konfliktgespräch, häufig mit trainierten Rollenspieler:innen als Gegenüber. Gemessen werden Gesprächsführung, Empathie und der Umgang mit Widerstand. Das Rollenspiel gilt als eine der aussagekräftigeren Übungen, weil das simulierte Verhalten der späteren Arbeitsrealität nahekommt – vorausgesetzt, die Situation ist realistisch konstruiert.

Präsentation

Kandidat:innen bereiten einen Kurzvortrag vor, zu einem fachlichen Thema oder zur eigenen Person, und stellen sich anschließend Nachfragen. Im Fokus stehen Struktur, Überzeugungskraft und Souveränität unter Beobachtung. Wichtig für die Interpretation: Die Übung misst Präsentationsverhalten – für Rollen, in denen Präsentieren keine Kernaufgabe ist, sagt sie entsprechend wenig aus.

Fallstudie

Eine komplexe Geschäftssituation mit unvollständigen Informationen, zu der Kandidat:innen einzeln oder in der Gruppe eine Lösung erarbeiten. Die Fallstudie zielt auf analytisches Denken, Problemlösefähigkeit und unternehmerisches Urteilsvermögen. Gut konstruiert ist sie nah an einer Arbeitsprobe; schlecht konstruiert prüft sie vor allem, wer schon einmal eine Fallstudie geübt hat.

Interview

Fast jedes AC enthält ein Einzelinterview, im besten Fall ein strukturiertes Interview mit einheitlichen Fragen und Bewertungsankern. Es ergänzt die Verhaltensbeobachtung um biografische und situative Informationen und ist der Baustein mit der am besten belegten Aussagekraft – sofern die Struktur wirklich eingehalten wird.

Viele ACs ergänzen diese Simulationen um standardisierte Verfahren, etwa Eignungstests zu kognitiven Fähigkeiten oder Persönlichkeitstests. Das ist diagnostisch sinnvoll – und ein Hinweis darauf, dass der Rahmen offener ist, als viele denken.

Was ein Assessment Center wirklich misst und was nicht

Der Anspruch des AC lautet: Wir messen stabile Kompetenzen wie Kommunikationsstärke oder Durchsetzungsvermögen, und zwar über mehrere Übungen hinweg. Die Forschung zeigt seit Jahrzehnten ein anderes Bild. Die Bewertungen hängen stärker an der jeweiligen Übung als an der Kompetenz, die sie messen soll: Wer im Rollenspiel überzeugt, bekommt dort auf fast allen Dimensionen gute Noten – und dieselbe „Kommunikationsstärke“ fällt in der Gruppendiskussion womöglich ganz anders aus (Sackett & Dreher 1982; Lance 2008). Was das AC misst, ist also eher „Wie gut bewältigt jemand diese Situation?“ als „Wie ausgeprägt ist dieses Merkmal?“.

Dazu kommt eine zweite Grenze: Ein AC erfasst maximales Verhalten, nicht typisches Verhalten. Es zeigt, was Kandidat:innen leisten können, wenn alles auf dem Spiel steht und jede Geste beobachtet wird – nicht, wie sie sich im Arbeitsalltag verhalten, wenn niemand zusieht. Für Merkmale wie Gewissenhaftigkeit oder Ausdauer ist das ein blinder Fleck.

Drittens sind AC-Übungen trainierbar. Ratgeber, Coachings und Erfahrungsberichte zu Postkorb und Co. sind leicht zugänglich; wer das Format kennt, schneidet besser ab, ohne geeigneter zu sein. Solche Übungseffekte verzerren den Vergleich zwischen vorbereiteten und unvorbereiteten Bewerbenden.

Und schließlich steht und fällt die Aussagekraft mit dem Anforderungsbezug. Bauen die Übungen nicht auf einer empirischen Anforderungsanalyse auf, spiegeln sie die tatsächlichen Anforderungen am Arbeitsplatz nur bedingt wider – dann wird beobachtet, was sich gut beobachten lässt, statt dem, was für die Stelle zählt. Wer Person-Job-Fit messen will, braucht zuerst ein sauberes Anforderungsprofil, dann die passenden Übungen. In dieser Reihenfolge.

Die Beobachterrolle: größte Stärke und größte Schwäche

Der Kerngedanke des AC ist zugleich sein größtes Versprechen: Mehrere geschulte Beobachtende, die unabhängig voneinander anhand konkreter Verhaltensanker bewerten, gleichen individuelle Verzerrungen aus. Kein einzelnes Bauchgefühl entscheidet, sondern ein Gremium mit definierten Kriterien. Wenn das gelingt, ist die Beobachterkonferenz eines der fairsten Elemente der Personalauswahl.

In der Praxis ist die Beobachterrolle aber auch die größte Schwachstelle. Menschen beobachten Menschen, und dabei wirken die bekannten Verzerrungen: Ein starker erster Eindruck färbt alle weiteren Bewertungen, Kandidat:innen werden am direkten Gegenüber gemessen statt am Kriterium, und wer den Beobachtenden ähnlich ist, wird wohlwollender gesehen. Solche unbewussten Verzerrungen verschwinden nicht dadurch, dass mehrere Personen gleichzeitig unstrukturiert schauen – sie vervielfachen sich nur.

Verschärft wird das Problem, wenn Bewertungskriterien nur vage definiert sind. Eine Gruppendiskussion soll rhetorische, soziale und führungsbezogene Kompetenzen erfassen – aber in welchen konkreten Verhaltensweisen sich diese Kompetenzen zeigen sollen, wird häufig nicht festgelegt. Die Folge: Bewertet wird faktisch etwas anderes, etwa die Extraversion der Bewerbenden. Redeanteil wird mit Führungsstärke verwechselt, Lautstärke mit Kompetenz. Das gilt besonders, wenn Beobachtende nicht ausreichend geschult wurden – und das ist in kleinen wie in großen Unternehmen noch immer häufig der Fall.

Die Gegenmittel sind bekannt und handwerklich: Beobachten und Bewerten strikt trennen. Verhalten notieren statt Interpretationen – „unterbricht dreimal“ ist ein Datum, „ist dominant“ ein Urteil. Pro Beobachter:in nur ein bis zwei Kandidat:innen gleichzeitig, mit Rotation über die Übungen. Erst unabhängig bewerten, dann in der Konferenz abgleichen. Und vor allem: Beobachtende schulen, bevor sie das erste Mal bewerten. Jeder dieser Punkte kostet Disziplin, keiner ist optional.

Was die Forschung zur Validität sagt

Die gute Nachricht zuerst: Assessment Center funktionieren. Der Zusammenhang zwischen AC-Ergebnissen und späterem Berufserfolg ist meta-analytisch belegt (Schmidt & Hunter 1998; Sackett et al. 2022) – ein gut gemachtes AC liefert also echte Vorhersagekraft und gehört zu den validen Auswahlverfahren. Kriteriumsvalidität, das zentrale der Gütekriterien für Auswahlverfahren, kann das Format nachweislich erreichen.

Die ehrliche Nachricht folgt direkt danach, in drei Teilen. Erstens: Der Mehrwert gegenüber günstigeren Verfahren ist begrenzt. Schon Schmidt und Hunter zeigten, dass ACs über eignungsdiagnostische Daten wie Intelligenztests hinaus in der Regel kaum zusätzliche Vorhersagekraft liefern – im direkten Verfahrensvergleich gehörten sie zu den Verlierern, gemessen am Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Zweitens: Die aktuelle Meta-Analyse von Sackett und Kolleg:innen ordnet strukturierte Interviews in der Vorhersagekraft sogar vor Assessment Centern ein – bei einem Bruchteil des Aufwands. Drittens das Konstruktvaliditätsproblem aus dem vorigen Abschnitt: ACs sagen Berufserfolg vorher, aber nicht über die Kompetenzdimensionen, über die sie es laut Konzept tun sollten. Der Titel eines vielzitierten Fachartikels bringt es auf den Punkt: Assessment Center funktionieren nicht so, wie sie eigentlich funktionieren sollen (Lance 2008).

Für die Praxis heißt das nicht „Finger weg“, sondern „Qualität entscheidet“. Die Spannbreite zwischen einem AC mit empirischer Anforderungsanalyse, definierten Verhaltensankern und geschulten Beobachtenden und einem improvisierten Übungsparcours ist enorm – und Normen wie die DIN 33430 beschreiben genau, was ein Verfahren leisten muss, um als fundiert zu gelten. Das Problem sind nicht Assessment Center. Das Problem sind schlecht gemachte Assessment Center, die den Namen tragen, ohne die Standards zu erfüllen.

Aufwand und Kosten realistisch

Ein valides Assessment Center zu gestalten ist nicht einfach – und vor allem nicht billig. Die Kosten beginnen lange vor dem ersten AC-Tag: Eine empirische Anforderungsanalyse muss klären, welche Kompetenzen die Stelle wirklich verlangt. Übungen und Bewertungsformulare müssen konstruiert und erprobt werden. Beobachtende müssen geschult werden. Das bindet erhebliche zeitliche und finanzielle Ressourcen, bevor auch nur eine Kandidat:in eingeladen wurde.

Die Durchführung legt nach. Pro Durchgang sind Führungskräfte und HR-Verantwortliche einen halben bis mehrere Tage als Beobachtende gebunden, dazu kommen Räume, gegebenenfalls externe Moderation und Rollenspieler:innen sowie die Nachbereitung mit Beobachterkonferenz und Feedbackgesprächen. Auch auf Seiten der Bewerbenden ist der Einsatz hoch: Anreise, intensive Vorbereitung, oft ein oder mehrere Urlaubstage. Pro Kandidat:in gehört das AC damit zu den aufwendigsten Auswahlverfahren überhaupt. Eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht – die Kosten hängen von Teilnehmerzahl, Dauer und externer Unterstützung ab.

Gefährlich wird es bei der naheliegenden Abkürzung: Wer sich das volle Programm nicht leisten kann, spart erfahrungsgemäß zuerst an Anforderungsanalyse und Beobachterschulung – also genau an den Stellen, die die Aussagekraft tragen. Das Ergebnis ist ein Verfahren mit den Kosten eines AC und der Aussagekraft eines Bauchgefühls. Wenn die Ressourcen knapp sind, ist ein kleineres, sauber gemachtes Verfahren die bessere Wahl als ein großes, beliebiges.

Wann ein Assessment Center sinnvoll ist und wann nicht

Aus Messqualität und Aufwand ergibt sich ein klares Einsatzprofil. Ein AC lohnt sich, wenn die Entscheidung das Investment rechtfertigt und Verhaltensbeobachtung einen echten Mehrwert liefert:

  • Führungspositionen und Schlüsselrollen: Hier sind Fehlbesetzungen besonders teuer, und Führungs- und Sozialverhalten lässt sich im Gespräch allein schwer beurteilen.
  • Traineeprogramme und finale Auswahlstufen: Wenige, bereits vorqualifizierte Kandidat:innen, bei denen es um die letzte, gut abgesicherte Entscheidung geht.
  • Erfahrene Fach- und Führungskräfte: Für Zielgruppen, bei denen Probearbeiten als Zeichen von Misstrauen ankommen würde, ist ein professionelles AC das angemessenere Format.

Wenig sinnvoll ist das AC dagegen in diesen Konstellationen:

  • Vorauswahl und hohe Bewerbendenzahlen: Für die Breite des Trichters ist das Format schlicht zu teuer – hier leisten Online-Assessments und Einstellungstests dieselbe Arbeit skalierbar.
  • Fehlende Ressourcen für saubere Gestaltung: Ohne Anforderungsanalyse und Beobachterschulung liefert ein AC keine belastbaren Ergebnisse, nur belastbare Rechnungen.
  • Rein fachliche oder kognitive Fragestellungen: Geht es um Fachwissen oder Denkfähigkeit, sind Tests und Arbeitsproben direkter, günstiger und mindestens so aussagekräftig.

Die Empfehlung bleibt dieselbe wie seit Jahren: Vor dem Einsatz eine fundierte Kosten-Nutzen-Analyse durchführen und ehrlich prüfen, ob ein AC für die konkrete Position das richtige Instrument ist – statt es einzusetzen, weil es alle machen.

Assessment Center und moderne Eignungsdiagnostik

Wer das AC als Verfahrensrahmen versteht, erkennt auch den modernen Umgang damit: Es ist kein Entweder-oder zwischen Präsenzverfahren und digitaler Diagnostik, sondern eine Frage der richtigen Reihenfolge. Oft lassen sich mit digitalen Online-Assessments genauso gute oder sogar bessere Effekte erzielen – zu einem Bruchteil des Aufwands. Und wo das AC seine Stärken hat, spielt es sie am besten aus, wenn vorher objektiv vorausgewählt wurde.

In der Praxis heißt das: Eine wissenschaftlich fundierte Potenzialanalyse übernimmt die Breite – sie erfasst kognitive Fähigkeiten und Persönlichkeit standardisiert, fair und skalierbar. Ins AC kommen dann nur noch die Kandidat:innen, deren Potenzial zur Stelle passt. Die Beobachtenden haben Zeit für wenige Personen statt Fließbandbewertung, und das AC konzentriert sich auf das, was nur ein AC leisten kann: reales Verhalten in realitätsnahen Situationen beobachten.

Aivy setzt genau an dieser Stelle an. Die spielbasierten Assessments der Ausgründung der Freien Universität Berlin messen berufsrelevante Merkmale wissenschaftlich fundiert und kandidatenfreundlich – als objektive Vorauswahl vor aufwendigen Präsenzverfahren oder als Testbaustein innerhalb des AC-Rahmens selbst. Über 200 Unternehmen arbeiten damit, mehr als eine Million Assessments wurden bereits durchgeführt. Welche Merkmale die einzelnen Verfahren erfassen, zeigt die Übersicht der Aivy-Testverfahren.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Assessment Center?

Je nach Gestaltung einen halben bis drei Tage. Einzel-Assessments für Führungspositionen sind oft auf einen halben oder ganzen Tag verdichtet, Gruppen-ACs für Traineeprogramme dauern eher ein bis zwei Tage. Dazu kommt für beide Seiten die Vor- und Nachbereitung, die den tatsächlichen Zeitaufwand deutlich erhöht.

Ist ein Assessment Center dasselbe wie ein Eignungstest?

Nein. Ein Eignungstest ist ein einzelnes, standardisiertes Messverfahren, das Assessment Center ein Rahmen, der mehrere Übungen, Beobachtungen und häufig auch Tests kombiniert. Viele ACs enthalten Eignungstests als Baustein – umgekehrt ist ein Test allein noch kein AC.

Welche Übungen kommen in einem Assessment Center vor?

Der übliche Kern besteht aus Postkorbübung, Gruppendiskussion, Rollenspiel, Präsentation, Fallstudie und einem Einzelinterview. Dazu kommen je nach Unternehmen standardisierte Tests zu kognitiven Fähigkeiten oder Persönlichkeit. Welche Übungen sinnvoll sind, sollte sich aus dem Anforderungsprofil der Stelle ergeben, nicht aus Gewohnheit.

Wie viele Beobachter:innen braucht ein Assessment Center?

Mehrere – das ist der Kern des Konzepts. Als Faustregel sollte eine Beobachter:in nie mehr als ein bis zwei Kandidat:innen gleichzeitig intensiv beobachten, mit Rotation über die Übungen. Wichtiger als die reine Anzahl ist die Schulung: Ungeschulte Beobachtende vervielfachen Verzerrungen, statt sie auszugleichen.

Kann man ein Assessment Center trainieren?

Teilweise ja. Die gängigen Übungsformate sind gut dokumentiert, und wer sie kennt, tritt souveräner auf. Für Unternehmen bedeutet das: Übungseffekte einkalkulieren, Übungen realitätsnah statt vorhersehbar konstruieren und Entscheidungen nie allein auf die AC-Beobachtung stützen, sondern mit standardisierten Verfahren kombinieren.

Wie aussagekräftig ist ein Assessment Center?

Das hängt fast vollständig von der Gestaltung ab. Gut gemachte ACs sagen Berufserfolg nachweislich vorher. Die Forschung zeigt aber auch: Über kognitive Tests hinaus liefern sie oft wenig zusätzliche Vorhersagekraft, und strukturierte Interviews erreichen mindestens vergleichbare Aussagekraft bei deutlich geringerem Aufwand. Entscheidend sind Anforderungsbezug, definierte Kriterien und geschulte Beobachtende.

Quellen

  • Bray, D. W. & Grant, D. L. (1966). The Assessment Center in the Measurement of Potential for Business Management. Psychological Monographs, 80(17), 1–27.
  • Sackett, P. R. & Dreher, G. F. (1982). Constructs and Assessment Center Dimensions: Some Troubling Empirical Findings. Journal of Applied Psychology, 67(4), 401–410.
  • Schmidt, F. L. & Hunter, J. E. (1998). The Validity and Utility of Selection Methods in Personnel Psychology: Practical and Theoretical Implications of 85 Years of Research Findings. Psychological Bulletin, 124(2), 262–274.
  • Lance, C. E. (2008). Why Assessment Centers Do Not Work the Way They Are Supposed To. Industrial and Organizational Psychology, 1(1), 84–97.
  • Sackett, P. R., Zhang, C., Berry, C. M. & Lievens, F. (2022). Revisiting Meta-Analytic Estimates of Validity in Personnel Selection. Journal of Applied Psychology, 107(11), 2040–2068.
  • Kanning, U. P. (2014). Assessment Center: Zwischen Ringelpiez und wirksamer Methode. Haufe Online Redaktion (haufe.de).
  • Schuler, H. (2014). Psychologische Personalauswahl (3. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.
  • Arbeitskreis Assessment Center e.V.: Standards der Assessment-Center-Technik (arbeitskreis-ac.de).
  • DIN 33430 (2016). Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik. Berlin: Beuth.

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Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

  • Gründer & CEO von Aivy – entwickelt innovative Wege der Personaldiagnostik und zählt zu den Top 10 HR-Tech-Gründern Deutschlands (Business Punk)
  • Rund 1 Mio. digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 200 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • 3x mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
  • Gestaltet aktiv die Zukunft der Arbeitswelt – durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie für bessere und gerechtere Personalentscheidungen
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